Gegen den Strich

10956041_632299543540544_6398870848409944190_n

Tanze ich oft wild und entschlossen aus den unterschiedlichsten Gründen zur Anti – Berlin Hymne „Ich will nicht nach Berlin„, begeistert mich die Stadt bei jedem Besuch aufs Neue mit ihrer unglaublich hohen Dichte an außergewöhnlichen Cafés und Restaurants. Nun kann und sollte sich Rostock natürlich nicht mit Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln vergleichen, aber so ein paar mehr ungewöhnliche, individuelle und irgendwie künstlerische Cafés wären doch auch ganz nett, oder? Natürlich existieren auch solche in Rostock, nur muss man die meistens erstmal finden. Wobei „finden“ tendenziell die Suche in der Ktv oder Kröpi meint. Davon entfernt gestaltet sich die Suche leider deutlich schwieriger. Umso erfreulicher, wenn es dann doch noch Menschen gibt, die sich – sei es nun aus purer Überzeugung oder aus der Not heraus – dazu entschließen, gegen den Strom zu schwimmen und ein etwas anderes Café in der Östlichen Altstadt zu eröffnen. Wortwörtlich geht es heute also gegen den Strich, genauer gesagt: Ins A Rebours und somit in ein Café, das in mancher Hinsicht aus dem Rahmen fällt.

10443605_632300226873809_5676493734646767377_n

10943709_632300510207114_7526480945868508627_nDie Einrichtung
Dass es im A Rebours etwas anders als in Rostock üblich zugeht, lässt sich bereits auf dem ersten Einblick an der Einrichtung der Lokalität feststellen, die wenig mit der landläufigen Vorstellung von hanseatischer Nüchternheit und schnörkellosen Design übereinstimmt. Stattdessen nehmen die Gäste hier in unglaublich gemütlichen, geblümten Sesseln und auf Sofas Platz, bei denen man sich unweigerlich fragt, was diese wohl schon so alles erlebt haben. Jedenfalls fühlt man sich direkt dazu eingeladen, es sich zwischen den erwähnten Sesseln, schweren Holztischen, schiefen Bildern an den pistaziengrünen Wänden und unter dem schmeichelnden Licht von Kronleuchter und alten Lampenschirmen gemütlich zu machen und die Zeit zu vergessen. In diesem Sinne: Bienvenue au fin du siècle!

10463913_632300636873768_2615374038242744432_n

10533548_632300696873762_6857998589426144449_n

Keine Frage: Das A Rebours besitzt mit seinen zusammengewürfelten und ur-gemütlichen Möbeln (die übrigens nicht bei einer Zeitreise mitgenommen wurden, sondern ganz klassisch bei Ebay Kleinanzeigen größtenteils erstanden wurden) einen Wohnzimmercharakter, der es einem leicht macht, sich in das weiche Polster zurückfallen zu lassen und die Zeit bei Kaffee, Kuchen und einer kleinen Auswahl an herzhaften Speisen zu vergessen. Überhaupt ist man klug beraten, wenn man für den Besuch etwas mehr Zeit einplant, denn es lohnt sich wirklich, sich durch die Küche durchzuprobieren.

1601341_632300166873815_8487113120984694167_nDie Küche
Nicht nur schlägt das Herz von jedem Kaffeejunkie angesichts der vielen Variationsmöglichen höher, auch Liebhaber von handgemachten, frischen Torten werden sich hier schnell wohl fühlen. Ob nun der Verkaufsschlager Schoko-Schoko-Sahne Kuchen (den ausländische HMT Studenten stolz ihrem Besuch aus der Heimat vorzeigen) oder die leichtere Variante mit Johannisbeere – auch die Bestellungen von den Nebentischen verraten, was uns der Besitzer Robert bereits im Gespräch verraten hat: Die Kuchen sind der eigentliche Star des Cafés.

1964790_632299583540540_5527966787558601864_n

Aus diesem Grund haben sich die Betreiber schließlich auch nach einigem Abwägen dazu entschlossen, das herzhafte Repertoire etwas zu reduzieren, um so einerseits der Tortennachfrage gerecht zu werden und umgekehrt keinen unnötigen Überschuss an warmen Mahlzeiten zu erzeugen. Nichtsdestotrotz sind einige Klassiker wie Flammenkuchen, Würzfleisch, Soljanka und das Steak erhalten geblieben, die nicht selten in großen Runden vor allem die Herren der Schöpfung glücklich machen. Für Langschläfer hält das A Rebours zudem an jedem Tag der Woche ein Frühstück bereit, das von französisch süß bis hanseatisch herb den Start in den Tag von wohl ziemlich jedem Besucher versüßen kann.

1503287_632300866873745_790854664544916481_nHistoire, Gegenwart & Ausblick
Seit Sommer 2010 kümmern sich die Besitzer des Cafés (außer ein paar Hilfskellnerinnenam Wochenende und eine Hilfskraft in der Küche sind die beiden alleine für Service und Küche zuständig) am Wendländer Schilde 5 (direkt bei der Nikolaikirche) um das Wohl ihrer Gäste, in dem sie genau zu wissen scheinen, wann es angebracht ist, den Gast zu beraten und wann dieser lieber in Ruhe seinen Gedanken nachhängen möchte und dabei immer ungemein freundlich bleiben. Ach, man merkt es vielleicht, ich bin ein großer Fan von dem Café in der Altstadt! Umso mehr teile ich auch das Bedauern des Besitzers, der anmerkte, wie schwierig es sei, eine Gastronomie fernab von KTV und Kröpi zu führen, da dort – leider auch für viele Rostocker – die Neugier auf Neues aufhört. So sind es vor allem auch viele Touristen, die den Weg ins A Rebours im Rahmen einer Altstadtbesichtigung finden, wie ansonsten hauptsächlich noch die liebe Nachbarschaft aus der Altstadt. Beschweren möchte er sich aber trotzdem nicht, schließlich habe das A Rebours mittlerweile seinen festen Kundenstamm (der aber natürlich gerne noch erweitert werden darf!) gefunden. Tatsächlich sind die Plätze im Café auch bei meinem Besuch zur Nachmittagszeit (die beste Zeit also für Kaffee und Kuchen) fast alle belegt, die vorzugsweise von Rentnern, jungen Familien, aber auch vereinzelt von Studenten besetzt werden. Im Hinblick auf die schönste Zeit des Jahres bleibt zu hoffen, dass das A Rebours die Möglichkeit erhalten wird, seinen Außenbereich (der momentan noch aus zwei Tischen besteht) auf dem neu gestalteten Wendländer Schilde zu vergrößern , so dass noch mehr Gäste in den Genuss der Gastfreundlichkeit und hervorragenden Gastronomie kommen können.

10953428_632300213540477_527671066272715697_nWer noch mehr gute Gründe braucht, um das A Rebours kennenzulernen, seien die unregelmäßig stattfindenden musikalischen Abende empfohlen, an denen vorzugsweise Studenten der HMT ihr Können vor einem größeren Publikum darbieten oder ihr reizt die Vorfreude bis zum nächsten Herbst aus, wenn zum zweiten Mal die „Lieder machen Leute“ – Reihe ihr Publikum im A Rebours finden wird. Wer (hoffentlich) nicht mehr so lange warten möchte: Im A Rebours kann man Mo- Fr von 11 – 23h, Sa von 9h und So von 10-23h  in den Tag starten oder diesen gemütlich ausklingen lassen.

10942748_632300660207099_1882314249823706456_nCafé A Rebours
Am Wendländer Schilde 5
18055 Rostock
0381 1276216

Advertisements

4 Kommentare zu “Gegen den Strich

  1. Pingback: Frühling ist, was in der Stadt passiert | Ahoi Rostock

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s